Frauengruppen gegen Sexistische Werbung
Juni 25, 2009 von kim | Medien & IT
Heute wird’s mal politisch, denn die Frauenpolitik ist um ein weiteres Sommerloch-Kuriosum reicher -- eigentlich einzustufen unter unter “Fun & Entertainment”, würden die ihre Ideen nicht auch noch tatsächlich ernst meinen:
Von “positiver Diskriminierung” (?) und so…
Nach Damenabteilen, wahnwitzigen Verkehrsschildern für Frauen (Bauarbeiterin mit langen Haaren, Rock und Stiefeln, Damenfahrräder -- als Feminist hatte ich immer angenommen, man wolle eigentlich mit genau diesen Klischees aufräumen) und Bevorzugung von Frauen bei der Job-Vergabe (“zwei Drittel aller freien Stellen gehen an Bewerberinnen”) sollen nicht nur Frauenstadtteile folgen.
Nun fordern die Grünen ein gesetzliches Verbot für sexistische Werbung. Der Antrag soll im Herbst im Gleichbehandlungsausschuss behandelt werden.
Selbst unter “Standard”-LeserInnen - und gerade der Standard nahm in Sachen Gender Mainstreaming seit jeher eine mediale Vorreiterrolle ein - stößt die Forderung der Grünen nach einem gesetzlichen Verbot für sexistische Werbung auf große Verwunderung:
Update:
Noch mehr Brisanz erhält das Thema durch die aktuelle Entwicklung im Fall der “Ursprung Buam“, die unsere Frauenministerin aufgrund eines Werbespiels als “sexistische und rassistische Musikgruppe” bezeichnet. Dafür gibt’s auch auf dieStandard.at eine -- wie das Logo schon verrät journalistisch wohl nicht ganz objektive
-- Zitrone. Auch nimmt sich die Propaganda-Plattform nun ausführlich dem Thema Sexismus in der Werbung an.
Aber was genau ist sexistische Werbung?
Die “Watchgroup gegen sexistische Werbung” listet auf ihrer Website Auszüge aus einem Kriterienkatalog auf. Teile davon lesen sich wie folgt:
- “…Die Assoziation des weiblichen Schönheitsideals mit Schwachheit, Unterlegenheit und Unerfahrenheit (Frauenbilder als jung, mager, etc.)…”
- “…Die Kennzeichnung des männlichen Schönheitsideals mit Kraft und Stärke. Die männliche Nacktheit dient nicht der Vermarktung der Haut, sondern der Demonstration von Muskeln – körperliche Stärke wird zur Machtgrundlage…”
- “…Die Stilisierung der Abhängigkeit der Frau vom Mann durch Gesten, wie „Einhaken“ am Arm…”
- “…Die Infantilisierung der Frau in der Darstellung von Paaren: Der Mann hebt die Frau hoch und transportiert sie…”
- “…Die Frau hält sich am Mann fest, während dieser gemütlich und Besitz ergreifend seinen Arm auf ihre Schulter legt”
- “…Die Darstellung eines Mannes, flankiert von zwei Frauen…”
- “…Die Implikation der Überflüssigkeit der Hausarbeit: In den Werbedarstellungen scheint es so, als ob sich die Hausarbeit durch die beworbenen Produkte „von allein“ erledigen würde (etwa durch bewegliche Haushaltsgeräte oder menschenleere Haushalte)…”
Ich dachte immer, Hausarbeit sollten heutzutage auch Männer erledigen?? - “…Die Darstellung „typisch weiblicher Unarten“ z.B. Luxussucht, Telefonieren, etc…”
(auszugsweise Zitate vom 25.06.2009 von der Seite http://www.watchgroup-sexismus.at/cms/?page_id=2 , Hervorhebungen und kursive Kommentierungen von uns)
Solche Zeilen verunsichern ein wenig… was ist denn dann beispielsweise mit Tür aufhalten? Höfliche Geste eines anständigen Gentlemans oder frauenfeindliche Todsünde?? Man weiß es nicht…
- Bleibt abschließend die Frage, warum Sexismus ausschließlich Frauen-Thema sein soll (Stichwort Marlboro- und Coca-Cola-Man… -- muss ich mich jetzt wegen denen als auch Objekt der Coolness degradiert fühlen??)?
- Und wann formieren sich eigentlich endlich die wirklich emanzipierten (und vielleicht weniger frustrierten) Frauen, die sich durch dieses peinliche Theater zunehmend verunglimpft fühlen??
- Und vor allem: Stellt das seltsame Argument “es gibt eben mehr Frauen in der Gesellschaft” nicht auch die Glaubwürdigkeit der sonst angeblich so korrekten Haltung gegenüber Minderheiten in Frage?
Nach Ansicht mancher Bewegungen (Austro-Talibaninnen?) dürfte unterm Strich alles und Gott/Göttin und die Welt sexistisch sein, zumindest ließen dies die geistigen Ergüsse aus dem Kriterienkatalog erahnen. Nicht nur auf jede zweite Werbung, auf das halbe Leben dürften die meisten dieser Kriterien wohl teilweise oder gänzlich zutreffen!
Sexismus hin oder her, eine Bestrafung und Verfolgung von Werbetreibenden und Einschränkung künstlerischer Kreativität durch den Staat bedrohen nicht nur kreative Köpfe und den Glauben an die menschliche Vernunft, sondern sicherlich auch die Grundsäulen von Demokratie und Meinungsfreiheit. Nicht zuletzt gibt es in Österreich seit langem einen Werberat, der regelmäßig gegen unsittliche, anstößige und unmoralische Werbung vorgeht.
Ich bin ein liberal denkender Demokrat, der an die Intelligenz und Mündigkeit der Menschen glaubt. Und ich glaube, dass es in diesem Land nicht noch mehr Gesetze und Regeln braucht. Wir sollten froh sein, in einer demokratischen, freien Marktwirtschaft leben zu dürfen, in dem freie, mündige und vor dem Gesetz gleichwertige Menschen die Freiheit und das Recht darauf haben, zu krasse Werbe-Fauxpas eigenständig mit einem Boykott zu sanktionieren! Dazu braucht es keine weiteren Verbotsgesetze…
Und das letzten Endes Positive daran: Angesichts solcher kleinkarrierten Gender-Debatten, dürfte es uns hierzulande ja übermäßig gut gehen. Schade nur, dass man die wirklich großen Problembereiche, wo es defakto Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen gibt -- von niedrigeren Gehalt in manchen Positionen über Gewalt an Frauen bis hin zu Zwangshochzeiten uvm. - mit derlei Einfällen leider nicht lösen wird :-/.
In diesem Sinne…
Prost, solange wir diese Werbung noch sehen dürfen!
“Genderwahn” darf bei grüner NR-Präsidentin kein Thema sein
Take it easy
War ist not the answer, Ladies!
…und in ein paar Jahren kommt dann die Internet-Zensur für sexistische Inhalte (???)
Fotos von Frauengruppen gegen Sexistische Werbung
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